Liebe Leserinnen und Leser,

„Das Gesicht ist ein Abbild der Seele„, „das Gesicht verlieren„, das Gesicht ist „Abbild des Inneren„. Das Gesicht ist das persönlichste Wiedererkennungsmerkmal eines Menschen. Daher ist das Gesicht für jeden Menschen etwas sehr Wichtiges. Mit der Gesichtsrekonstruktion wird von wissenschaftlicher Seite versucht, verstorbenen Menschen ein möglichst naturgetreues Gesicht zurückzugeben. Dies ist sowohl in der Gerichtsmedizin und Kriminalität für die Identifizierung wichtig als auch für die Archäologie und Anthropologie. Dabei kann sowohl die Entwicklung der Menschheit plastisch aufgezeigt werden als auch wichtigen historischen Persönlichkeiten ein reales Gesicht gegeben werden (Lampe 2007, 339).

Der Versuch, Körperteile und insbesondere das Gesicht von toten Personen nachzubilden, hat eine lange Geschichte. Schon Anatomen aus dem 17. und 18. Jh. waren an der plastischen Gesichtsrekonstruktion interessiert. Im Jahre 1895 gelang es dem Basler Anatom Wilhelm His (1831-1904), zusammen mit dem Leipziger Bildhauer Carl Seffner, das Gesicht von Johann Sebastian Bach zu rekonstruieren. His’s Methode beruhte bereits auf einer wissenschaftlichen Basis. Diese ermöglichte es, mittels Projektion von zeitgenössischen Darstellungen auf die Rekonstruktion, den Schädel eindeutig Johann Sebastian Bach zuzuordnen. Der in Basel lehrende Mediziner und Anthropologe Julius Kollmann (1834-1918), und der Schweizer Bildhauer Werner Büchly, erschufen im Jahre 1899 die „Pfahlbauerin von Auvernier„. Ausgehend von einem Schädel, bauten sie die Weichteile anhand von statistischen Messwerten, die His und andere Wissenschaftler ermittelt hatten, in das Gesicht nach.

Erst mit dem Russen Michail M. Gerasimow (1907-1970) wurde in den 1920er-Jahren eine glaubwürdige und plausible Methode der Gesichtsrekonstruktion entwickelt und mittels Fotografien erfolgreich verglichen (Link/Skuléty 2010, 69–70).

Körper ohne Identität - im Zusammenhang mit der Zunahme internationaler Kriminalität und der Grenzdurchlässigkeit zwischen den europäischen Ländern hat die Polizei immer mehr Probleme mit Leichen und Leichenteile, bei denen mittels regionaler Recherchen im Fundumfeld eine schnelle Identifizierung der zu Tode gekommenen Personen nicht gelingt. Erschwert wird die makabre Situation durch den oftmals durch Fäulnis- und Verwesungsprozesse bis zur Skelettierung abgebauten Leichnam. In einigen Fällen lässt die Rekonstruktion der Todesumstände (Projektile, Strangulieren), die Behandlung des Leichnams (Einwickeln, Verschnüren) oder die rechtsmedizinische Obduktion einen gewaltsamen Tod durch Fremdeinwirkung vermuten.

Aufgrund der oft stark abgebauten Weichteile können in vielen Fällen die Todesumstände jedoch nicht mehr geklärt werden. In Folge ist ein gewaltsamer Tod dann nicht auszuschließen. Ein wichtiger Ermittlungsschritt ist in diesem Fall die Identifizierung des Opfers. Aber auch wenn ein natürlicher Tod vorliegt, ist eine Identifizierung des Leichnams wesentliches Ermittlungsziel.

In Ergänzung zu den am Fundort aufgefundenen persönlichen Gegenständen wie zum Beispiel Kleidung, den bei der rechtsmedizinischen Obduktion ermittelten individuellen Daten und dem insbesondere bei Skelettfunden angeratenen anthropologisch-forensischen Gutachten kann die Gesichtsrekonstruktion als wichtige Fahndungshilfe dienen.

In einem Interview mit der Rechtsmedizinerin Dr. Constanze Niess von der Uni Frankfurt auf Seite 7 gibt sie Einzelheiten über Ihre Arbeit als Gesichtsrekonstrukteurin preis.

Gesichtsrekonstruktionen basieren auf Weichteildicken. Bisher stehen alters- und geschlechtsspezifische Weichteilstärken lediglich für 34 Messpunkte zur Verfügung. Aus diesem Grund muss das Gesichtsrelief durch Verbindung dieser Punkte manuell erarbeitet werden und bleibt daher ein Arbeitsgebiet für erfahrene Spezialisten.

Es ist bekannt, dass Gesichtsweichteilstärken nicht nur mit dem Geschlecht und dem Alter variieren, sondern auch von der Populationszugehörigkeit, der Körperkonstitution und dem Ernährungszustand des Körpers abhängen. Der quantitative Einfluss dieser Faktoren ist jedoch noch unbekannt. Prof. Dr. Ursula Wittwer-Backofen, Frank Prieels und Peter Hering stellen auf Seite 12 ein Projekt in der Vorbereitungsphase dar, das Standardweichteildaten für definierte Teilgruppen liefert und somit zur Verbesserung der Übereinstimmung von Rekonstruktion und realer Person beitragen kann.

Plündereien, Gewalt und Chaos - Fliegende Pflastersteine, geplünderte Geschäfte und Angriffe auf Polizisten: In Stuttgarts Innenstadt eskaliert in der Nacht die Gewalt. Einen politischen Hintergrund erkennt die Polizei nicht. Bei schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei haben Hunderte Gewalttäter in der Nacht zum Sonntag die Stuttgarter Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt. Krawallmacher schmissen Pflastersteine auf vorbeifahrende Polizeiautos, schlugen Schaufenster auf der Stuttgarter Shoppingmeile ein und plünderten Geschäfte - Schreie, Scherben und Chaos im schicken Einkaufsviertel. Details stellen die Reporter der Deutschen Presseagentur auf Seite 24 dar.

Die Krawallnacht von Stuttgart hat Spuren und Risse hinterlassen. Während die Debatte über die Ursachen für die Randale weitergeht, wollen Land, Stadt und Polizei nach vorne schauen und gemeinsam verhindern, dass sich die Bilder aus der Innenstadt wiederholen. Die konkreten Pläne in Stuttgart erläutern Bettina Grachtrup, Nico Pointner und Martin Oversohl auf Seite 27.

Von „Racial Profiling„ bei der Polizei spricht man, wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe, Haarfarbe oder anderer äußerer Merkmale, aber ohne einen konkreten Anlass, kontrolliert werden. Die Studie war von der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) in ihrem aktuellen Bericht über Deutschland empfohlen worden. Befürworter und Gegner einer solchen Studie kommen in einem Beitrag auf Seite 36 zu Wort.

Polizeihubschrauber werden selten von Frauen gesteuert. Kirsten Böning ist die erste Pilotin Niedersachsens - nach gut einem Jahr im Dienst sagt sie: «Traumberuf». Warum ihr erster Flug mit Helikopter «wirklich gruselig» war, wie sie selber angibt, schildert sie auf Seite 39.

Weniger als zehn Prozent der Führungspositionen bei der rheinland-pfälzischen Polizei sind mit Frauen besetzt. Das ist der Grünen-Abgeordneten Schellhammer und auch der Gewerkschaft der Polizei deutlich zu wenig. Die geplanten Maßnahmen zur weiteren Förderung der Frauen in der Polizei des Landes Rheinland-Pfalz werden auf Seite 40 beschrieben.

Sie sind so groß wie Streichholzschachteln und machen E-Bikes mit wenigen Handgriffen doppelt so schnell: Aufsteckbare Tuning-Kits, also Bauteile zum Manipulieren der Geschwindigkeitsbegrenzung von Elektrofahrrädern. Erläuterungen zu den technischen Möglichkeiten zur Verhinderung dieses gefährlichen Tunings werden auf Seite 40 beschrieben.

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Behördenmagazin 2-2020 [22.946 KB]