Liebe Leserinnen und Leser,

Großveranstaltungen haben in den letzten Jahren ebenso an Bedeutung wie an Aufmerksamkeit gewonnen. Natürlich fällt jedem Bevölkerungsschützer sofort das Stichwort „Love-Parade„ ein und damit ein Ereignis, das die Problematik solcher Veranstaltungen symbolisiert. Genehmigungsverfahren unter wirtschaftlichen und politischen Aspekten, Gefahreneinschätzung durch Veranstalter und Sicherheitsbehörden, private Sicherheitsdienstleister, Ordnungsbehörden und Polizei, Medien mit kritischen Berichten und als Werbeträger, Spaßfaktor und Kommerz, die Reihe möglicher Interessenkollisionen ließe sich fortsetzen. Andererseits haben wir aber auch gesehen, wie problemlos und friedlich die Love-Parade in früheren Jahren abgelaufen war, wie das Fußball-Sommermärchen 2006 auch ohne den Gewinn der Weltmeisterschaft eine ganze Nation in eine fröhliche Stimmung versetzt hat.

„Das ist die Einmaligkeit, die ein Erlebnis zu einem Ereignis macht.„ Ernst Ferstl (*1955)

Wie schon Ernst Ferstl sagt, so gilt es auch für eine Veranstaltung. Einmaligkeit und Erlebnisse machen Veranstaltungen zu Ereignissen. Ereignisse an denen wir tagtäglich teilnehmen- ob gewollt oder ungewollt.

Oft müssen wir diese gar nicht besuchen und sind trotzdem ein Teil dieser, wenn zum Beispiel der Anfahrtsweg, auf unserem Arbeitsweg liegt und wir deshalb im Stau stecken. Größtenteils ist es jedoch so, dass wir diese Veranstaltungen freiwillig besuchen, ob das der Disco-Besuch mit Freunden ist, das Fußballspiel des kleinen Bruders oder die eigene Geburtstagsfeier. Freiwillig und meist guten Mutes, geht man in die Oper oder freut sich auf die Rückkehr der Fußball-Nationalmannschaft auf der Fanmeile. Die Häufigkeit der Teilnahme an Veranstaltungen ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Ein Grund dafür kann vor allem der Ort sein, in dem man lebt. Bürger aus Großstädten werden wöchentlich mehr unternehmen als jene die auf dem Dorf zu Hause sind, weil es dort weniger Angebote gibt. Aber auch andere Faktoren wie etwa das Interesse oder das soziale Umfeld spielen dabei eine Rolle.

Dem Meeting- & Eventbarometer aus dem Jahr 2014 ist zu entnehmen, dass das Wachstum auf dem deutschen Veranstaltungsmarkt weiter anhält. Nicht nur die Anzahl der Veranstaltungsstätten ist um 1,4% gestiegen, sondern auch die Nachfragesituation hat sich verändert. Zu den Veranstaltungsstätten wurden dabei die Kongress- und Veranstaltungszentren gezählt als auch Tagungshotels und Eventlocations.

Im Jahre 2013 wurden 3,01 Mio. Veranstaltungen gezählt. Das sind 3,1% mehr als noch im Vorjahr die Zahl der Teilnehmer erhöhte sich sogar auf 371 Millionen, was wiederum ein Wachstum von 2,5% bedeutet.

Blickt man auf die generelle Entwicklung des Veranstaltungsmarktes in Deutschland seit 2006, so ist auch hier die steigende Tendenz zu erkennen, welche sich durchgängig auf einem hohen Niveau bewegt.

Ob zum Vergnügen, zur Weiterbildung oder aus Tradition- die Veranstaltungszahl in Deutschland steigt und man verbindet eine Teilnahme an diesen meist mit Freude, Erleben und guten Erinnerungen. Doch Fälle wie die Katastrophe bei der Love-Parade im Jahr 2010 bringen schreckliche Erkenntnisse und Eindrücke mit sich. Ohne Bedenken geht fast jeder Besucher auf Veranstaltungen, weil man sich auf Veranstalter und Beteiligte verlässt. Oft hat sich gezeigt, dass die Sicherheit auf Veranstaltungen zu wenig betrachtet wird. Vielleicht werden Gesetze und regeln überlesen oder einfach zu fahrlässig gehandelt.

Im Grundgesetz in Artikel 2 Abs. 2 steht geschrieben: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit„. Genau diese und auch viele andere Regeln und Gesetze sind bei der Planung und Durchführung einer Veranstaltung zu beachten.

Natürlich soll vor allem der Spaß, das Erleben und die Freude im Vordergrund stehen, doch um die Veranstaltung genießen zu können, muss bei den Besuchern ein Gefühl von Sicherheit vorherrschen. Denn nur wenn der Zuschauer sich rundum geschützt fühlt, kann er eine Veranstaltung auch genießen. Diese Freude und das Wohlbefinden bedeuten auch ein gutes Feedback für die Veranstaltung. Deshalb muss eine gewisse Sicherheit immer gegeben sein. Vor allem seit dem Ereignis der Love Parade gibt es unzählige Checklisten und Richtlinien für Veranstaltungen. Ebenso ist Literatur zum Thema Sicherheit bei Veranstaltungen vorhanden.

Wie wichtig eine ständige Fortschreibung dieser Richtlinien, Sicherhheitskonzeptionen und Checklisten ist, zeigt der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin im Dezember 2016. Auch wenn eine Großveranstaltung in einem Jahr störungsfrei abläuft, bietet es keine Gewähr dafür, dass es im darauf folgenden Jahr genauso stattfinden wird.

Anfang 2014 wurde Anklage erhoben. Dreieinhalb Jahre nach dem Loveparade-Desaster vom 24. Juli 2010 klagte die Duisburger Staatsanwaltschaft jetzt zehn Beschuldigte an – da die Techno-Party nach Einschätzung der Strafverfolger völlig falsch geplant war und niemals hätte genehmigt werden dürfen. Der schmale Ein- und Ausgangsbereich des eingezäunten Veranstaltungsgeländes sei viel zu eng für die hunderttausenden Raver gewesen, sagte der Leiter der Duisburger Staatsanwaltschaft, Horst Bien, bei der Pressekonferenz. „Deshalb musste es im Verlauf der Veranstaltung zwangsläufig zu lebensgefährlichen Situationen kommen, da zu viele Menschen auf zu engem Raum zusammengedrängt wurden.„ Die Tragödie von Duisburg war Veranlassung für das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), über seine Möglichkeiten nachzudenken, bei der Entwicklung von Standards für Großveranstaltungen zu unterstützen.

Carsten Laube und Philipp Kuschewski von der Deutschen Hochschule der Polizei setzen sich in Ihrem Beitrag „Polizeiliche Management bei Großveranstaltungen„, Seite 6, mit der Frage auseinander, ob die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Kontext von Großveranstaltungen, bezogen auf die Veranstaltungsvorbereitung, -durchführung und -nachbereitung, eine intensive Zusammenarbeit zwischen dem Veranstalter, den zuständigen Genehmigungsbehörden, der Polizei und den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr voraussetzt. Dabei stellt diese Aufgabe, beispielsweise aufgrund unterschiedlicher und akteursspezifischer Begrifflichkeiten, Führungs- und Stabsstrukturen sowie Aufgabenzuweisungen und -wahrnehmungen für alle Beteiligten eine große Herausforderung dar.

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